Für das Jahr 2022 wünsche ich uns Gesundheit, Freiheit, verantwortlichen Umgang mit uns selbst und anderen, in Beziehung und Respekt. Können wir der Aufrechterhaltung der Beziehung mehr Wichtigkeit zusprechen, als der Trennung durch die eigene Meinung? – Nähe und Berührung sind Nahrung!

Es ist offensichtlich, dass wir nie mehr zu einer uns noch vor 2 Jahren bekannten Welt zurückkehren werden. Die Veränderung hat unwiederbringlich Einzug gehalten. Ist das schlecht? Nicht unbedingt. Aber es erfordert von uns mehr und mehr Eigenverantwortung. Sind wir in der Lage, Beschreibungen aus Rundfunk, Presse und Regierung in bisher nicht dagewesener Weise selbst zu überprüfen? Sind wir in der Lage und vor allem auch willens, uns eigene Meinungen zu leisten? Können wir eine Meinung zu einer Situation einnehmen, die nicht der Meinung unserer Freunde, unserer Familie, unseres Umfeldes entspricht und dennoch in Beziehung bleiben?

Das ist gewiss nicht einfach und erfordert, wie man so sagt, “einen Arsch in der Hose”. Doch wie weiß ich was für mich stimmig ist? Wie kommt man überhaupt zu einer Meinung?

Ich vermute, dass sich eine Meinung sehr schnell bildet. Je nach dem wie sich eine Situation darstellt, haben wir auch schon eine Meinung. Sie ist nicht gleich in Stein gemeißelt, doch enthält sie meist schon eine gewisse Festlegung. Das trifft natürlich nicht auf jeden Menschen zu. Manche Menschen neigen dazu, sich überhaupt nicht festzulegen. Andere legen sich einmal fest und sind dann nicht mehr in der Lage, die innere Haltung zu überdenken. Wieder andere wanken von einer sehr klaren Meinung zu der gegensätzlichen, die auch klar vertreten wird.

Bisher hatten ich fast immer recht schnell recht klar vor Augen, was mein Gegenüber zu dieser oder jener Themenstellung zu sagen hatte.

Tatsächlich haben wir alle in fast jeder Situation recht schnell eine innere Haltung, auch wenn wir uns damit nicht selbstverständlich zeigen. Doch wie geht es uns mit Menschen, wenn sie eine andere Haltung oder Meinung haben als wir selbst?

Ist es möglich, der bereits vertrauten Beziehung einen höheren Wert einzuräumen? Oder müssen meine Freunde auch meine Meinung teilen? Wenn wir uns in diesem Tagen versuchen mit Argumenten zu überzeugen, werden wir nicht weiter kommen. Zu fest haben sich über die 2 Jahre die gegensätzlichen Seiten in uns eingebrannt.

Was wir brauchen ist die Fähigkeit zu erkennen, dass wir trotzdem weiterhin einen großen Wertekanon teilen. Stellen wir uns vor, unser Sichtfeld umfasst eine Fläche, einen Kreis von 360 Grad. So schaue ich mein Gegenüber an. Bei dem größten Teil der Fläche haben wir Konsenz: z. B. kennen wir uns jetzt sein vielen Jahren und schätzen uns mit den gegenseitigen Qualitäten und außerdem mögen wir uns. Bleiben diese Werte noch bestehen? Oder werfen wir sie, die vielen freundschaftlichen Jahre, jetzt einfach über Bord und geben diese Freundschaft auf?

Was ist passiert, dass wir so bereitwillig durch eine Meinungsverschiedenheit diese bisher wertvolle Begegnung beenden könnten? Wenn wir jetzt in diesem Moment die Freiheit haben, wirklich tief dahinein zu schauen, müssen wir erkennen, dass etwas zutiefst Erschütterndes passiert sein muss …! Wie könnten wir sonst auf die Idee kommen, uns von diesem bisher geliebten oder doch zumindest geschätzten Freund oder der Freundin zurückzuziehen?

Das was passiert ist, muss uns wohl existenziell betreffen! Es kann nicht anders sein, als dass etwas in uns angestoßen ist, was an unserer tiefsten Existenz rührt. Denn sonst müssten wir nicht so drastisch sein. – Doch worum geht es? Hat es nur mit uns individuell allein zu tun? Oder steht eine größere, bisher unbewusste Macht hinter uns, die uns in für uns selbst unbewusster Weise in den Bann schlägt? Könnte das sein? Wenn nein, wie können wir die Vehemenz in vielen Beziehungen sonst noch erklären? Wenn ja, worum geht es dann? Könnte es etwas aus dem kollektiven Gedächtnis sein, was wirkt?

Leider habe ich im Moment dazu keine durchgreifende Antwort. Doch finde ich allein diese Frage schon sehr interessant. Allein diese Frage zu stellen, bringt mich aus der Reaktivität heraus. Es gibt mehr Möglichkeiten zu schauen, zu forschen.

Lasst Du das gemeinsam tun, egal welchem Lager wir angehören sollten. Denn der Dialog und der darin liegende Ausdruck der eigenen Betroffenheit und der Gefühlen, führen uns wieder näher zusammen. Das ist wie ein Naturgesetz.

Ich freue mich auf den Dialog.

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