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Jedes Problem, das in einem Menschen entstehen kann, ist ein Beziehungsproblem! Tatsächlich sind alle Probleme Beziehungsprobleme!

Stimmt diese Behauptung? Gibt es nicht auch Geldprobleme? Oder der Wunsch nach Arbeit, die nicht vorhanden ist? (Siehe auch Therapie ohne vorhersehbare Lösung)

Schauen wir einmal weiter. Wenn Sie diesen Artikel lesen, stellen Sie sich bitte selbst diese Fragen und beantworten sie selber, bevor Sie die von mir gefundenen Antworten lesen.

Was ist das Schlimmste daran, wenn ich zuwenig Geld habe?

Ich könnte meinen Lebensstandart nicht mehr aufrecht erhalten. Ich könnte keine Reisen mehr machen, mir nicht die Wohnung leisten, die ich will.

Was ist das Schlimmste daran?

Ich habe Angst davor, dass es noch schlimmer kommt. Vielleicht müsste ich unter einer Brücke schlafen.

Wie ist das so schlimm? Könnte man sich nicht daran gewöhnen?

Vielleicht schon, doch würde ich mich schämen und hätte Angst, keine sozialen Kontakte mehr zu haben. Meine Freunde würden mich verlassen. Ich hätte Angst davor, ganz allein und verlassen zu sein. Das wäre das Schlimmste.

Das Schlimmste, was passieren könnte ist vermutlich also, dass wir allein und verlassen zurückbleiben. Das sind die Antworten, zu denen ein Großteil der Menschen kommen würden, wenn sie eindringlich nach Antworten suchen, die sie nicht schon vorher überlegt hätten.

Tatsächlich stoße ich in meiner Arbeit fast immer früher oder später auf die Angst, allein und einsam zu bleiben oder sogar so zu sterben.

Häufig besteht die Angst darin, nicht mehr attraktiv zu sein, was sich auch aus obigen Situationen ableiten lässt. So behaupte ich also weiter, dass wahrscheinlich alle unsere Probleme durch die Angst davor, völlig isoliert zu werden, begründet sind.

Ich habe hier nicht die Frage nach der Realität der Ängste gestellt. Es geht mir hier nicht um eine realistische Überprüfung, sondern um das subjektive Gefühl. Denn das ist es, was in uns wirkt und die Angst erzeugt, nicht die realistische Überprüfung. (Die realistische Überprüfung ist Teil der Therapie.)

Weshalb ist das so?

Die subjektiven Überzeugungen und Ängste haben sich im frühen Kindesalter entwickelt. Sie sind oft nicht mehr erinnerbar; sie sind ins Unbewusste verschoben, vielleicht von wahrnehmbaren oder nicht wahrnehmbaren Ängsten überlagert.

Nichtwahrnehmbare Ängste – gibt es solche Ängste?

Die meisten Ängste, durch deren Auswirkungen wir gesteuert sind, sind nicht wahr genommene Ängste. Deshalb fällt es uns so schwer, uns wirklich zu durchschauen. Wir glauben, wir seien einfach so. Das seien Charakterzüge, die vielleicht vererbt seien oder so ähnlich.

Das stimmt zum großen Teil nicht! Die Erfahrungen zeigen, dass Menschen, je mehr sie anderen Menschen vertrauen können, feststellen können, dass sie völlig anders „funktionieren“, als sie bisher selbst über sich gedacht hatten. Es sind in den verschiedensten Situationen keine freien Entscheidungen des Bewusstseins getroffen worden, sondern nur Reaktionen auf alte Reize, sprich Ängste, die man aber nicht erkennt.

Man kann diese Ängste Stück für Stück sichtbarer machen und hat damit die Möglichkeit, ab jetzt freier und selbstverantwortlicher mit sich und seiner Umgebung umzugehen.

Auch hier setzt die Therapie an. Weshalb geht ein Mensch zur Therapie?

Sicherlich gibt es oberflächlich betrachtet unterschiedliche Gründe. An irgendeiner Stelle im Leben gibt es meistens einen Leidensdruck. Vielleicht klappt es in der Beziehung nicht so gut. Oder der Mensch stellt fest, dass er selbst etwas dazu tut, dass er keine Beziehung hat oder nur bestimmte Beziehungspartner anzieht. Es entsteht ein gewisser Selbstzweifel. Ebenso können Probleme mit den Verwandten oder Kollegen bei der Arbeit eine Rolle spielen. Vielleicht glaubt der Mensch, nicht ohne bestimmte Substanzen, Taten oder Menschen auskommen zu können oder er ist häufig krank und möchte dieses Phänomen einmal überprüfen.

Eine ergibt sich folgende Chance: an diesem Punkt folgen Sie einmal nicht dem, was Sie zu wissen glauben, sondern versuchen mit Hilfe eines erfahrenen und wachsamen Zeugen zu schauen. Der Zeuge – in diesem Fall der Therapeut oder die Therapeutin – beobachtet nur und zeigt auf, was ihr auffällt. Sie geht eine therapeutische Beziehung ein und fühlt mit und beobachtet Situationen oder Aussagen, die anscheinend nicht ganz stimmig mit dem Kontext übereinstimmen. Sie wird den Klienten darauf aufmerksam machen, indem sie noch einmal nachfragt, wie er es gemeint haben könnte oder ob es subtile oder neue Gefühle gibt, die bei einer Aussage auftauchen. Es entsteht ein intrapersonales Forschen. Wenn Sie bereit sind, sich wirklich zu erforschen, zu entdecken und sich vorübergehend dem Raum des „Nicht-Wissens“*1) anvertrauen, haben Sie die Möglichkeit aus den Tiefen Ihres Seins fündig zu werden.

Der leidende Mensch wird jedoch nach schnellen, das heißt oberflächlichen Lösungen suchen. Das ist fast immer so. Tatsächlich sind es tief verwurzelte Glaubensmuster, die im Menschen wirken und langsam enttarnt werden wollen. Die Zeit der Enttarnung hat mit dem Grad an Vertrauen zu tun, welches der Mensch schon für sich selbst hat oder in die Welt oder den Therapeuten. Dabei möchte alter, bisher unbewusster Schmerz integriert werden.

Oft ist es so, dass es im Leben bisher niemanden gab, der Sie in Ihrem Sosein einfach angenommen und ausgehalten hat. Mancher Mensch kann oder will sich selbst nicht aushalten. Deshalb meint er auch, es gäbe niemanden, der, wenn er ihn wirklich sehen würde, ihn noch annehmen oder lieben würde.

Je weniger Vertrauen vorhanden ist – vielleicht deshalb, weil der Mensch nie eine wirklich vertraute Beziehung erlebt hat – desto länger dauert in der Regel der Prozess der Vertrauensbildung. Dabei geht es letztendlich immer um das Vertrauen zu sich selbst. Dieses zeigt sich zuerst darin, dass der Mensch anfängt, sich einem nahen Menschen, zu dem eine kontinuierliche Beziehung aufgebaut wird, mehr anzuvertrauen, sich zu zeigen, so wie der Mensch sich häufig selbst nicht sehen mag. Scham und Schuld mögen nicht gezeigt werden. Auch Scham und Schuld sind Ausdrucksformen von Angst.

Therapie bedeutet einen Raum und eine Zeit anzubieten, in dem Angst sein darf. In dem ein Mensch sein darf, ohne abgewertet zu werden. In dem ihm jedoch auch gezeigt wird, wie er in der Welt ist und zwar in einer Form, die er selbst erkennen kann.

Wenn Ihr Therapeut Ihnen sagt, wie Sie sein sollen oder wie Sie es besser machen sollten, dann seien Sie vorsichtig. Werden Sie allerdings ständig darin bestärkt, es so weiter zu machen, wie bisher, auch.

Vor allem geht es in der Therapie darum, selbst herauszufinden, wie Sie funktionieren. Dazu ist der Therapeut, wenn er seine eigene Geschichte gut aufgearbeitet hat, frei, um Sie darauf aufmerksam zu machen.

Verhaltenstherapien oder Kurzeittherapien haben häufig den Nachteil, dass sie möglicherweise ein Problem im Leben lösen können, sie werden jedoch höchstwahrscheinlich nicht dazu führen, dass Sie tiefen inneren Frieden erleben.

Da die Grundproblematik nicht angegangen wurde, entsteht einfach ein neues Problem. Man kann das Symptomverschiebung nennen.

Sicher werden Sie weiterhin während oder nach der Therapie schwierige Situationen zu bestehen haben; das ist normal im Leben und kein Problem. Sie werden mit diesen jedoch einfacher umgehen und darunter die Freude des Seins erleben können.

Ich möchte Sie darin unterstützen, wirklich aufzuräumen und mit Ihnen Ihre persönliche Wachstumsherausforderung anzuschauen. Es geht um das Wesentliche, vielleicht um den Sinn Ihres Lebens. In Ihnen ist eine kreative Kraft, die Sie einerseits bereits lockt und für das Lebendige neugierig macht, andererseits meist aber auch angstbesetzt ist.

Ich selbst möchte für meine Klienten nur das, was ich auch für mich selbst will: Glück und Frieden, Freude und Liebe im Umgang mit mir selber, in Beziehungen und mit der Welt.

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*1) es handelt sich um einen Erlebnisraum, der vordergründig nichts mit dem bisherigen Denken zu tun hat. Denn die Art des bisherigen Denkens hat zu den Problemen geführt, deshalb ist sie nicht geeignet, die Probleme zu lösen. Hohe Achtsamkeit für das was jetzt geschieht ist eine Qualität des Raumes des „Nicht-Wissens“.