Aufstellungsarbeit als Therapie!

Die Methode der Familien- oder anderer Systemaufstellungen bietet einen sehr vielfältigen Raum für Wahrnehmung und Intervention. In dem verbundenen Raum der Kreativität zeigen sich Ursprünge und derzeitige Stimmungen sowie Emotionen von betroffenen Menschen auf viel tiefere Weise, als in vielen anderen therapeutischen Settings.

So kann z. B. eine Beziehungsproblematik zwischen der Klientin und ihrem Vater, dargestellt in einer Aufstellung in einer Bandbreite gespürt und gesehen werden, die einen schnelleren und tieferen Heilungsprozess in Gang bringen kann, als eine Einzeltherapie.

Schon Gruppentherapiesituationen ohne Aufstellungen, häufig in Verbindung mit einzeltherapeutischen Maßnahmen, stärken und beschleunigen den Integrationsprozess von Klienten.

Was will integriert werden?

Die Vergangenheit! Darin enthalten sind die vielen Unstimmigkeiten, die wir als Kinder im Verhalten unserer umgebenden Personen, häufig aus der Familie, subjektiv empfunden haben. Unsere Eltern, Großeltern, Geschwister usw. haben es immer so gut gemacht, wie sie es konnten. Sie handelten aus ihrem derzeitigen Bewusstseinsraum heraus.

Das heißt jedoch nicht, dass aus Sicht des betroffenen Kindes diese Erfahrungen genauso bewertet wurden. Kinder sind häufiger verletzt, als Eltern es bemerken, als sie es wahrhaben wollen. Später dann, gelangen diese (jetzt nicht mehr) Kinder in einen Loyalitätskonflikt. Einerseits steckt ihnen der Schmerz dieser kindlichen Problematiken immer noch im Körper und in der Seele fest, andererseits dürfen sie diesen aber nicht wahrnehmen, weil sie sonst ihren Eltern gegenüber illoyal würden. Denn sie sehen ja, dass die Eltern es wirklich aus Liebe heraus anscheinend gut gemacht haben. Als Heranwachsende, mehr noch als Erwachsene, sind wir dann kaum noch in der Lage uns wirklich in unsere eigene Kindheit und Kindlichkeit hineinzuversetzen. Das führt zu inneren Konflikten in der Therapie. Wenn ich als Therapeut nachfrage wie es denn in der Kindheit war, dann kommt sehr oft die Antwort: ich hatte eine glückliche Kindheit. Meine Eltern haben mich geliebt usw..

Bei genauerem Hinschauen entdecken wir dann die schwierigen Zeiten der Kindheit, wobei die Eltern es wirklich so gut machten, wie sie konnten.

Auch wir können immer nur aus einem Bewusstsein heraus handeln, zu dem wir in diesem Moment Zugang haben. Manchmal ist dabei unser Handlungsspektrum größer, oft aber auch eher eng und aus Angst heraus. Angst verursacht Zwang, verursacht Schmerz und Leiden.

In Aufstellungen zeigen sich in oft überraschender Weise genau die Bereiche unseres Lebens, die bisher nicht integriert sind. Sei es die Beziehung zu Verwandten, seien es unsere frühen Verletzungen. In verblüffender Weise bilden sich dann genau die Systeme heraus, die gerade Heilung bedürfen.

Ich betrachte daher die Aufstellungsarbeit immer mehr als reine Therapiearbeit. Im ursprünglichen Sinne dachte Bert Hellinger man bräuchte eine oder zwei Aufstellungen, dann sei alles soweit in Gang gebracht, dass die Heilung von allein weiter läuft. Diese Idee bewahrheitet sich leider nur in wenigen Fällen.

(Bert Hellinger ist ein wichtiger Begründer der Familienaufstellungsarbeit, ist aber gleichzeitig umstritten. An den Stellen, an denen er glaubt oder glaubte, allgemein gültige Aussagen oder auch wertenden Aussagen über Menschen und Methoden machen zu können, distanziere ich mich klar von ihm und seiner Arbeitsweise. Mir ist der respektvolle und freie Umgang mit Menschen ein hoher Wert. Alle Angebote von mir sind nur Angebote, die angenommen oder abgelehnt werden dürfen.)

Sinnvoller ist die kontinuierliche Nutzung dieses Mediums über einen längeren Zeitraum. Dann müssen den anderen Teilnehmern und den Klienten nicht unbedingt schnelle Lösungen angeboten werden, die sich im Nachhinein oft als nicht integriert herausstellen, sondern der Integrationsprozess bekommt an jedem Aufstellungstherapietag einen neuen Impuls den jetzt anstehenden angemessenen Schritt in die eigene Bewusstseinserweiterung zu tun. Dabei ist es nicht nötig, weder den Klienten, noch andere Teilnehmer der jeweiligen Aufstellung in eine bestimmte Richtung zu drängen. Das jetzt tiefer werdende Energiefeld schlägt von sich aus die heilende und integrierende Richtung ein und zwar mit dem Klienten in seiner eigenen ihm angemessenen Geschwindigkeit.

So kann eine Therapie, selbst – oder gerade von Menschen mit schweren Schicksalen, deutlich beschleunigt werden, ohne Druck auszuüben. Denn allein das häufigere wirkliche Hinsehen, durch regelmäßige Aufstellungen, lässt uns viel weniger unseren Ausweichmechanismus aufrechterhalten. Wenn wir uns dem, worum es in unserem Leben jetzt geht, wirklich stellen, dann finden wir auch einen für uns eigenen Ausweg aus dem Dilemma. Wenn wir unserer persönlichen Wachstumsherausforderung nicht mehr ausweichen, wie über 90 % aller Menschen es tun, finden wir eigene, für uns stimmige Lösungen im Einklang mit unserem Herzensweg.

Dazu möchte ich mit dem Angebot der therapeutischen Systemaufstellungen einladen.

Sie können diese einzeln nutzen oder sich auf einen Jahresprozess einlassen, der natürlich einen deutlicheren Bewusstseinssprung und damit Heilung herbeiführen wird.

 

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Kommentare

  1. Christine sagt:

    Schuld und Scham gehören zu den niedrig schwingenden Frequenzen im menschlichen System, ähnlich wie Kummer, Ärger, Wut, Angst ua… Ich bin überzeugt davon, dass wir alle „Schatten“ und jede „Dunkelheit“ heilen können, wenn wir hinschauen und durchfühlen, was ist. Und somit passiert nicht nur in unserer eigenen Geschichte Heilung, sondern auch in der unserer Ahn*innen und Vorfahr*innen und die Gleichwertig- und würdigkeit von Frau und Mann darf sein.

  2. Vielen Dank Peter für diese Ausführungen.
    Sehr interessante Gedanken und Hypothesen und nur der kollektive Heilungs-Gedanke gibt der Pandemie einen Sinn. Du hast das wunderbar formuliert und das resoniert bei mir.

  3. Vielen Dank für den Beitrag über Paartherapie. Meine Schwester hat Beziehungsprobleme mit ihrem langjährigen Freund und überlegt, einen Paartherapeuten zurate zu ziehen. Ich werde ihr diesen Beitrag weiterleiten, damit sie eine Entscheidung fällen kann. Interessant, dass die therapeutische Situation erlaubt, einerseits Mitgefühl für den anderen zu entwickeln oder Angst, weil die Kontrolle verloren geht.

  4. Antje Brigitte Neumann sagt:

    Lieber Peter Hellwig, ich Danke Ihnen für die ausführliche Ausführung unserer ver rückten Zeit. Ich beobachte oft wie gutgläubig intelligente Menschen sind und sich, aus meiner Sicht, täuschen lassen. Alles wird für wahr hingenommen und wenn ich frage, wen sie kennen, der C hätte, kennen sie persönlich keinen oder sie reagieren über, weil alles ganz schlimm war. Wenn ich konkret Nachfrage, was anders war als an einer Grippe, wissen sie es nicht oder es stellt sich heraus dass der Erkrankte ein Risikopatient ist. Einmal ist es mir passiert, als von einem jungen Menschen berichtet wurde, der kurz davor stand ins KH eingewiesen zu werden, dass ich mich bei der Ausführung des Krankheitsbildes schuldig gefühlt habe, weil ich nicht alles glaube was in den Medien berichtet wird. Ich weiß es ja auch nicht genau. Aber, ich habe ein Gefühl, eine Intuition, der ich vertraue.
    Leider kann ich das Video nicht sehen, weil es Privatvideo heißt. Weiß nicht wie das funktioniert.
    Mit den allerbesten Grüßen und bleiben Sie gesund. Antje Brigitte Neumann

  5. Hanna Adams sagt:

    Danke für den Beitrag zu Trauerbegleitung. Die Tante einer Bekannten hat große Schwierigkeiten, nach dem Tod ihres Mannes wieder Fuß zu fassen. Ich denke, Trauerbegleitung und nachträgliche Verabschiedung würde ihr gut tun.

  6. Rüdiger Otto sagt:

    Wenn vermutlich kollektives Trauma heute in vielen von uns noch gebunden ist – gibt es dann nicht auch umgekehrt die gleichsam begründete Hoffnung, das auch hohe Intelligenz und Soziale Kompetenz alter, untergegangener Völker noch in uns abrufbar schlummern? Ein schöner Gedanke

  7. Klaus sagt:

    Bin erst mal begeistert von der Erklärung.
    Wie ist das Verhalten der Frau zu verstehen. Warum erzählt sie ihre neue Verliebtheit so brühwarm ihrem Ehemann ohne die Konsequenz zu erahnen. Ihr müsste doch klar sein das,dass verletzend ist. Eine Trennung durch den Ehemann ist ihr dann wohl auch schon egal oder will sie nur ihren Spaß auf Kosten und mit Erlaubnis des Mannes. Das ein Mann durch so ein plötzlich auftretendes Eheproblem Bauchschmerzen und mehr bekommt ist doch verständlich. Ob das auf die Kindheit zurückzuführen ist……
    Wie sollte ein Mann in der oben beschriebenen Lage reagieren, um sich selbst zu schützen.
    LG Klaus

  8. Jette sagt:

    Wow ich bin begeistert von den vielen Erkenntnissen..mich hat das Thema sehr neugierig gemacht. Ich könnte den ganzen Tag weiterlesen..gibt es ein Buch zu diesem Thema?
    LG Jette

  9. Sebastian sagt:

    Sehr schön zusammengefasst. Ich bin noch auf dem Weg dorthin…