Ich sitze am PC und überlege, was ich zum Thema Intuition zu sagen habe. „Hm, zuerst einmal fällt mir nichts ein!“ „Aha, es fällt mir nichts ein!“ – Was bedeutet es, wenn einem etwas einfällt?

Handelt es sich bei der Intuition um etwas, was schon tief in uns vorhanden ist und jetzt zum Vorschein kommt, uns also zufällt? Ist Intuition eine Qualität, die sich einfach nur zeigen will und immer schon da ist? Mir geht es hier nicht darum, schon zu wissen, was Intuition sei, sondern sie jetzt und hier neu zu erforschen. Denn Intuition folgt keiner Regelmäßigkeit und auch keiner Wiederholung.

Ja, und was ist nun Intuition? Ein wesentliches Merkmal meiner Intuition ist eine Achtsamkeit im Hier und Jetzt! Dazu gehört, dass ich in der Lage bin, zu spüren was jetzt in meinem Körper, in meinen Gefühlen und Gedanken passiert. Nehme ich es jetzt ernst, wenn mein Bauch in dieser Situation Unwohlsein signalisiert? – Also auch die Körperwahrnehmung ist ein Teil der Intuition! Es gab dazu vor einigen Jahren interessante Ausführungen in einem großen Magazin. Der Darm habe viel mehr Nervenzellen, als man bisher vermutet hatte, die auf Situationen reagieren. Daher also das Bauchgefühl! Ist Intuition gleichbedeutend mit Instinkt? Nein! Instinkt erlaubt keine eigenen Entscheidungen! Die Handlungsmuster aus dem Instinkt heraus laufen einfach ab. Die Intuition läuft nicht einfach ab, denn wir folgen ihr ja nicht jedes Mal. Aber wieso haben wir manchmal einen Zugang dazu und oft nicht? Die Notwendigkeit der Achtsamkeit im Hier und Jetzt haben wir schon besprochen. Ist das Fehlen unserer Achtsamkeit das einzige Hindernis unserer Intuition folgen zu können? Ich vermute nicht. Denn häufig spüren wir unser Innerstes und sagen aus dieser körperlichen Empfindung heraus: „Eigentlich müsste ich jetzt dahin gehen oder jenes veranlassen!“ Doch wir tun es nicht. Hinterher sagen wir: „Ich habe genau gespürt was dran war! Doch ich habe es nicht getan! Ich fühlte mich unsicher damit! Ich traute mich nicht!“

– Warum nicht? Weil wir Angst vor den Konsequenzen in unseren Beziehungen haben? Oder weil die intuitive Handlung uns nicht logisch erscheint oder wir nicht sofort wissen, wohin sie führt. Logik ist eine Qualität, die aus unseren nach Sicherheit strebenden Gedanken erwächst. Sie entstand durch wiederkehrende Erfahrungen. „Wenn ich dieses tue passiert jenes!“ Sie gibt uns einerseits Sicherheit. Und andererseits erlaubt sie uns nicht so leicht, etwas wirklich Neues auszuprobieren. Es fehlt uns das Vertrauen darin, dass uns unsere Intuition befriedigend nützlich ist.

Ist das der Grund, weshalb wir unserer Intuition, die wir oft sogar sehr intensiv wahrnehmen, nicht folgen? Weil wir damit nicht vertraut sind? Weil wir unser Leben lang gehört haben, dass wir unseren Kopf einsetzen sollen, wenn wir etwas entscheiden? Sind wir in Sachen Intuition ungeübt? Wie können wir unsere Intuition stärken?

Seit einiger Zeit sage ich mir als eine Art Affirmation: „Ich bin ganz und gar bereit und willens, die Stimme meines Herzens zu spüren, sie ernst zu nehmen und ihr unmittelbar zu folgen.“ Und dafür übernehme ich die Verantwortung, auch wenn ich nicht sofort überblicken kann, ob dieser Schritt unmittelbar gut für mich ist. Ich unterstelle es einfach. Ich übe es jeden Tag, auch beim Joggen. Ich weiß, ich habe ca. 1,5 Stunden Zeit und laufe zum Stadtrand in Richtung eines Naherholungsgebiets und folge dann meinen inneren Impulsen. Häufig bleibe ich an Gabelpunkten stehen und spüre nach, „wo geht mein Weg weiter?“ Manchmal treffe ich dadurch einen Freund, beobachte eine Entenfamilie oder spüre die Einheit mit der Natur. In der Leineaue überkommt es mich, ein paar Stimmübungen zu machen. Wo sonst kann man noch schreien, ohne komisch angeschaut zu werden. Das ist von außen betrachtet nicht spektakulär, aber sehr befriedigend.

Vor einigen Jahren suchte ich ein Geschenk für den 5. Geburtstag meines Sohnes. Ich öffnete mich dafür, meinen Füßen zu folgen, die mir schon zeigen würden, wo ich ein passendes Geschenk finden werde. Ich ging in die Innenstadt, immer spürend, ob meine Füße mehr nach links oder rechts gehen wollten. So ging ich auf ein Zoogeschäft zu und fürchtete schon, ich solle ein Tier für ihn besorgen; doch meine Füße liefen daran vorbei zu einem Spielzeug- und Bastelladen. Ich ging hinein und fragte eine Verkäuferin. Nachdem ich ihr geschildert hatte, dass er gern bastelt und rätselt, war ihr Vorschlag ein Tonklumpen, aus dem man Knochen ausgraben musste, die dann ein Dinosaurierskelett bilden sollten. Tatsächlich freute er sich viel mehr über dieses Geschenk, als ich erwartet hatte und auch darüber, wie ich es gefunden hatte und machte sich gleich ans Werk.

In einzel- und paartherapeutischen Sitzungen nutze ich bei Unklarheit der Klienten die Möglichkeit, Aussagen sprechen zu lassen, um damit intuitiv zu überprüfen, ob diese sich subjektiv stimmig anfühlen. Wenn die Aussage unserer inneren Empfindung wirklich entspricht, fühlen wir uns sofort stärker. Wir haben dafür ein untrügliches Gespür. Auch so können wir unsere Intuition nutzen, um unserer inneren Wahrheit näher zu kommen. Mit der gewonnenen Erkenntnis haben wir dann eine neue Basis für den naheliegendsten Schritt, der jetzt zu tun ist. Können wir den spontan tun, ohne ihn durch unsere zweifelnden Gedanken zu entkräften? Ich wünsche es uns, denn dann können wir wunderbare neue Erfahrungen machen.

Peter Hellwig

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