Das emotionale Gedächtnis, speichert Erfahrungen als Erinnerungsspuren im Gedächtnis, als neuronale Netzwerke im Gehirn. Diese Erinnerungen sind positive oder negative subjektive Interpretationen dessen, was erfahren wurde. Tatsächlich stößt die Psyche oder das Gehirn ständig an Grenzen, die es nicht überwinden kann. Krankheit, Ohnmacht und Tod sind daher ständig im Hintergrund als Drohung präsent.

Das Gehirn ist nicht in der Lage über seinen Tod, die deutlichste Grenze, die es vermuten kann, echte verwertbare Erfahrungen zu machen. Es wird den Tod nicht überleben. Daher sucht es nach Auswegen, um diesen unsicheren Zustand nicht aushalten zu müssen. So beschäftigt sich das Denken ständig damit, sich Sorgen zu machen. Es versucht diese Lücke zu füllen. Dazu nimmt es Altes, bereits Erlebtes und rechnet es hoch. So entsteht ängstliches Leiden und darin gibt es bei verschiedenen Menschen graduelle Unterschiede.

Angst ist also immer eine Projektion in die Zukunft. Tatsächlich weiß der Denkapparat Gehirn aber nicht, was in Zukunft sein wird. Jedoch tut er so, als wüsste er es und identifiziert sich damit.

Das tut das Denken, um nicht die Kontrolle über das zu verlieren, was sein könnte. Es schafft sich also eine fiktive Sicherheit.

Das Denken kann nicht denken, wie es wäre, ohne Denken zu sein.

Das Grundphänomen ist bei jeder Angst gleich. Egal, welche Angst man nimmt, dahinter steckt immer die Angst vor dem Tod. So assoziiert das Gehirn bei verschiedenen Menschen zum Thema Tod unterschiedliches.

Auf die Frage: Was ist das, was ich am wenigsten auszuhalten bereit bin, könnten folgende Beispiele als Antworten entstehen:

  1. Auf keinen Fall möchte ich hilflos auf andere Menschen angewiesen sein.
  2. Auf keinen Fall möchte ich, dass meine Kinder vaterlos oder mutterlos aufwachsen.
  3. Auf keinen Fall möchte ich hilflos Schmerzen ausgeliefert sein.

Um es verständlicher zu machen: Weil wir denken, glauben wir der Denker zu sein. Wir identifizieren uns mit dem Denken.

Tatsächlich gibt es jedoch neben dem Denken einen „denkfreien Raum“, eine Instanz, die das Denken beobachten kann.

Das Denken kann sich nicht selbst beobachten, das heißt, es muss etwas neben dem Denker geben, nämlich einen inneren Beobachter oder Zeugen. Den Zeugen in mir kann ich aktivieren, wenn ich ganz und gar in der Gegenwart präsent bin.

Deutlich wird einem dieses Phänomen vielleicht beim Betrachten eines wunderschönen Sonnenuntergangs. Man versinkt ganz und gar in das Angeschaute. Das Leiden löst sich sofort in Wohlgefallen auf, wenn ich von der Angst vor der Zukunft loslasse und erforsche, was jetzt wirklich ist. Das um sich selbst kreisende Denken und damit das Leiden funktioniert nur, wenn es sich mit der Zukunft oder Vergangenheit beschäftigt.

Deshalb kann man der Angst nur mit dem Hier und Jetzt begegnen. Das Denken wird jetzt vielleicht entgegnen: „Gebe ich dann nicht alle Verantwortung für meine Zukunft aus? Wer kümmert sich denn dann darum? Es sorgt doch sonst keine für mich!?“

In Wahrheit gibt es keine Zukunft. Niemand konnte sie bisher wahrnehmen. Es gibt sie nicht, weil bisher niemand in der Zukunft gelebt hat oder sie erlebt hat. Es gibt immer nur das Jetzt, die Gegenwart, in der wir jetzt leben. Außer Vorstellungen von der Zukunft und Wahrscheinlichkeiten gibt es nichts über die Zukunft zu sagen und es kommt meistens anders, als … .

Peter Hellwig, Febr. 2006

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Kommentare

  1. Christine sagt:

    Schuld und Scham gehören zu den niedrig schwingenden Frequenzen im menschlichen System, ähnlich wie Kummer, Ärger, Wut, Angst ua… Ich bin überzeugt davon, dass wir alle „Schatten“ und jede „Dunkelheit“ heilen können, wenn wir hinschauen und durchfühlen, was ist. Und somit passiert nicht nur in unserer eigenen Geschichte Heilung, sondern auch in der unserer Ahn*innen und Vorfahr*innen und die Gleichwertig- und würdigkeit von Frau und Mann darf sein.

  2. Vielen Dank Peter für diese Ausführungen.
    Sehr interessante Gedanken und Hypothesen und nur der kollektive Heilungs-Gedanke gibt der Pandemie einen Sinn. Du hast das wunderbar formuliert und das resoniert bei mir.

  3. Vielen Dank für den Beitrag über Paartherapie. Meine Schwester hat Beziehungsprobleme mit ihrem langjährigen Freund und überlegt, einen Paartherapeuten zurate zu ziehen. Ich werde ihr diesen Beitrag weiterleiten, damit sie eine Entscheidung fällen kann. Interessant, dass die therapeutische Situation erlaubt, einerseits Mitgefühl für den anderen zu entwickeln oder Angst, weil die Kontrolle verloren geht.

  4. Antje Brigitte Neumann sagt:

    Lieber Peter Hellwig, ich Danke Ihnen für die ausführliche Ausführung unserer ver rückten Zeit. Ich beobachte oft wie gutgläubig intelligente Menschen sind und sich, aus meiner Sicht, täuschen lassen. Alles wird für wahr hingenommen und wenn ich frage, wen sie kennen, der C hätte, kennen sie persönlich keinen oder sie reagieren über, weil alles ganz schlimm war. Wenn ich konkret Nachfrage, was anders war als an einer Grippe, wissen sie es nicht oder es stellt sich heraus dass der Erkrankte ein Risikopatient ist. Einmal ist es mir passiert, als von einem jungen Menschen berichtet wurde, der kurz davor stand ins KH eingewiesen zu werden, dass ich mich bei der Ausführung des Krankheitsbildes schuldig gefühlt habe, weil ich nicht alles glaube was in den Medien berichtet wird. Ich weiß es ja auch nicht genau. Aber, ich habe ein Gefühl, eine Intuition, der ich vertraue.
    Leider kann ich das Video nicht sehen, weil es Privatvideo heißt. Weiß nicht wie das funktioniert.
    Mit den allerbesten Grüßen und bleiben Sie gesund. Antje Brigitte Neumann

  5. Hanna Adams sagt:

    Danke für den Beitrag zu Trauerbegleitung. Die Tante einer Bekannten hat große Schwierigkeiten, nach dem Tod ihres Mannes wieder Fuß zu fassen. Ich denke, Trauerbegleitung und nachträgliche Verabschiedung würde ihr gut tun.

  6. Rüdiger Otto sagt:

    Wenn vermutlich kollektives Trauma heute in vielen von uns noch gebunden ist – gibt es dann nicht auch umgekehrt die gleichsam begründete Hoffnung, das auch hohe Intelligenz und Soziale Kompetenz alter, untergegangener Völker noch in uns abrufbar schlummern? Ein schöner Gedanke

  7. Klaus sagt:

    Bin erst mal begeistert von der Erklärung.
    Wie ist das Verhalten der Frau zu verstehen. Warum erzählt sie ihre neue Verliebtheit so brühwarm ihrem Ehemann ohne die Konsequenz zu erahnen. Ihr müsste doch klar sein das,dass verletzend ist. Eine Trennung durch den Ehemann ist ihr dann wohl auch schon egal oder will sie nur ihren Spaß auf Kosten und mit Erlaubnis des Mannes. Das ein Mann durch so ein plötzlich auftretendes Eheproblem Bauchschmerzen und mehr bekommt ist doch verständlich. Ob das auf die Kindheit zurückzuführen ist……
    Wie sollte ein Mann in der oben beschriebenen Lage reagieren, um sich selbst zu schützen.
    LG Klaus

  8. Jette sagt:

    Wow ich bin begeistert von den vielen Erkenntnissen..mich hat das Thema sehr neugierig gemacht. Ich könnte den ganzen Tag weiterlesen..gibt es ein Buch zu diesem Thema?
    LG Jette

  9. Sebastian sagt:

    Sehr schön zusammengefasst. Ich bin noch auf dem Weg dorthin…