Je näher Menschen zusammen leben, desto weniger sind sie häufig in der Lage, den anderen objektiv so zu sehen wie er wirklich  ist, obwohl sie das Gegenteil glauben.

Ich unterscheide Ehe- oder Paarberatung und Paartherapie. Die Unterschiede liegen nicht in der Art der Konflikte, denn die sind in aller Regel ähnlich, sondern eher in der Tiefe der Problematik.

In der Beratungssituation entsteht bei vielen Paaren seit langem das erste Mal die Möglichkeit, den Partner neu zu sehen oder wirklich zu sehen – in diesem jetzt entstehenden Augenblick.

Dadurch kann Mitgefühl für einander entwickelt werden oder eine Unsicherheit wird deutlich, durch die eine sinnvolle Auseinandersetzung angestoßen wird. Ganz wichtig ist jedoch, dass eine neue Attraktivität für den Partner gewonnen werden kann, wenn man der eigenen Unsicherheit oder Angst auf den Grund geht und erkennt, dass sie tatsächlich (fast) nichts mit dem jetzigen Partner zu tun hat, sondern eine Reaktivierung alter Erfahrungen im eigenen emotionalen Denksystem ist.

Jetzt kann Liebe entstehen, aus der Freiheit heraus, die diesem Augenblick entspringt. Festhalten und absichern durch Schaffen von Abhängigkeiten führt immer nur zu Machtspielen, nie zu wirklicher Liebe.

Echte Lebendigkeit in einer Liebesbeziehung benötigt auf bestimmter Ebene auch ein bisschen Unsicherheit im Miteinander, denn dadurch entsteht gleichzeitig mehr Tiefe und Lebendigkeit in der Beziehung und natürlich erotische Kraft.

Tatsächlich brauchen wir in einer lebendigen Beziehung immer einen Raum für eine innere Erlaubnis, nicht schon vorher wissen zu müssen, was gleich zwischen uns sein wird. Halten wir es aus, die Situation offen und sich entwickeln zu lassen?

Wir werden gemeinsam daran arbeiten, die Ressourcen für die individuell eigene innere Sicherheit zu entwickeln.  Benötigen wir die Partnerschaft, um uns in uns selbst sicher zu fühlen? Dann werden wir diese einengen und die Liebe wird unlebendig werden.

Die Bereitschaft, sich selbst in Frage zu stellen und sich so deutlich zu zeigen, wie es einem jetzt gerade möglich ist, ist die größte Investition in eine neue, lebendige und liebevolle Beziehung.

Literaturhinweis: David Schnarch, „Die Psychologie sexueller Leidenschaft“

Ich empfehle diese Auseinandersetzung, sowie auch obiges Buch Menschen, die in ihrer Beziehung wachsen wollen, die tiefe Liebe und befriedigende Sexualität erleben, die die Bereitschaft zur Eigenständigkeit entwickeln und sich auf  gleicher Ebene wirklich erwachsen gegenüber sein wollen.

Auch wenn Sie das Gegenteil denken, solche Qualitäten sind bisher in unserer Kultur nur sehr selten zu finden.

Was ist Paartherapie

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