Ich suche DichEs ist schön zu leben und in dieser wundervollen, reichen Welt zu sein! Es gibt Schönheit und Liebe, aber auch Mangel, Schmerz und Kummer.

Und auch diese Themen gehören zu einem erfüllten Leben dazu. Wie könnten wir das Schöne wahrnehmen, wenn wir dazu keinen Kontrast kennen?

Dennoch wünschen wir uns natürlich mehr Liebe, mehr Freiheit und mehr Sicherheit. Wir wünschen es, versorgt zu sein, sichere Beziehungen und Arbeitsplätze, Gesundheit und Geld.

Vieles von dem, was wir uns wünschen, ist sogar schon da, doch oft können wir es nicht wirklich schätzen und annehmen. Das hängt damit zusammen, dass wir nicht nur aus einer Person bestehen; nicht nur aus einer einigen Persönlichkeit. Oft sind wir ambivalent; wir haben gleichzeitig mehrere Meinungen und können uns selbst damit kaum verstehen.

Es gibt dafür eine Erklärung: In uns wohnen verschiedene Persönlichkeitsanteile, wie zum Beispiel das Innere Kind.

Als wir ein kleines Kind waren wurden wir vielfach nicht so geliebt, gehalten, anerkannt, wie es uns zustand. Dieses Kind lebt in uns als Persönlichkeitsanteil weiter und ist oft immer noch unversorgt. In den meisten Menschen möchte es immer noch, oft unbewusst, von der Mutter (Vater) gehalten werden. In den meisten von uns gibt es den Anteil des inneren, verletzten, verlassenen, an Liebesmangel leidenden Kindes.

Daneben entwicklet sich in uns häufig die Position des liebevollen Erwachsen, der die Verantwortung für unser inneres Kind übernimmt und sich mit aller Kraft und Liebe für es entscheidet. Dieser Persönlichkeitsanteil ist derjenige, der es in der Hand hat. Nur der liebevolle erwachsene Anteil ist in der Lage, die Mangelerfahrungen des ungeliebten Kindes und damit auch das Erleben der heutigen Unzufriedenheit aufzulösen. Es kann kein anderer Mensch diese Arbeit übernehmen.

In dem Schmerz und der Angst des frühen Kindes entwickelte sich daneben der Anteil des schützenden Erwachsenen in uns. Er kann sich schlau oder dumm geben. Dieser Anteil strebt nach Sicherheit, nach Macht und Kontrolle über andere Menschen, auch über Beziehungspartner. Denn der will dafür sorgen, dass wir nie wieder verlassen oder verletzt werden.

Zum Beispiel ist ein Partner furchtbar nett und lieb, in der (unbewussten) Hoffnung, den anderen in seine Abhängigkeit zu bringen oder er gibt sich kühl und unnahbar. Es gibt andere Möglichkeiten z. B. sich attraktiv zu machen: Reize zeigen, wie z. B. kindliche, sexuelle, weibliche, männliche, geheimnisvolle usw., die andere neugierig machen.

Das Ganze läuft in der Regel viele Jahre relativ gut. Doch dann merken wir, dass wir immer wieder die gleichen Probleme in Beziehungen bekommen, sei es privat oder beruflich. Der kindliche Schutz führt dazu, dass wir uns nicht auf Unsicherheit einlassen können, ohne uns stärker bedroht zu fühlen, als wir aushalten „können“. Wir reagieren kindlich auf eine Situation, in der erwachsenes Handeln gefragt wäre.

Wir nennen diesen Anteil den lieblosen Erwachsenen, denn er erscheint vordergründig oft sehr erwachsen.

Diese Position ist die interessanteste in diesem Geflecht, da deren Vielfältigkeit und Raffinessen keine Grenzen kennt. Und das ist von mir keineswegs abwertend, sondern anerkennend gemeint. Denn dazu gehört ungeheure Kreativität, die gewürdigt werden will.

Der angenehmste Anteil in uns ist der des inneren, geliebten Kindes. Der kann neben dem unversorgten Kind durchaus schon vorkommen. In manchen Bereichen lebt das geliebte Kind schon mit all seiner Kreativität und Lust am SEIN, vielleicht in einem Beruf, der der Person wirklich Spaß macht. Vielleicht in einem Hobby, beim Basteln, beim Tanz der Musik oder in der Malerei.

Bei manchen jedoch, tritt dieser Anteil nur sehr spärlich in Erscheinung. Wenn er gar nicht auftaucht, ist es wahrscheinlich schwerer, der Gesamtperson verständlich zu machen, wie wunderschön das Ziel dieser Arbeit sein kann.

Die Persönlichkeitsanteile kommen nur selten in Reinform vor. Gerade das macht es so schwierig, diese auseinander zu halten. Oft scheint das verletzte Kind durch den Erwachsenen deutlich hindurch nach außen. Ebenso oft kann man den verletzten Anteil nur dadurch erahnen, dass man gar nicht glauben kann, dass es einem Menschen so gut geht, wie er immer tut. Bei anderen merkt man sehr schnell, dass die verletzliche Seite völlig zugedeckt ist. Es ist wichtig, dass der liebevolle Anteil Unterstützung in seinen Bemühungen bekommt. Dazu sind therapeutische Hilfen, Selbsthilfegruppen und manchmal auch gute Freunde sinnvoll und oft nötig.

Der erste Schritt in der Arbeit ist die Hinwendung zur inneren Wahrheit und Wahrhaftigkeit. Dieser erfordert den Mut, sich seine Unzulänglichkeiten und Kompensationsmuster, welche die Angst vor Kontrollverlust überdecken, immer mehr anzuschauen und sich selbst und dem Therapeuten gegenüber zuzugeben, dass es so ist.

„Ja, so mache ich es, es gefällt mir nicht, doch ich bin so!“

Das hört sich vielleicht ganz einfach an. Doch denken Sie einmal an eine Unart von Ihnen, die Sie auf den Tod nicht ausstehen können. Vielleicht sind Sie unheimlich eifersüchtig oder stopfen sich heimlich mit Süßem voll, sie trinken heimlich; oder Sie merken, dass Sie computer-, spiel- oder fernsehsüchtig (auch die Süchte sind unendlich vielseitig) sind. All das tun Sie dann, um den unangenehmen Gefühlen des inneren, verletzten Kindes zu entgehen. Sie wollen diese Gefühle nicht spüren. So ist es.

Und es fühlt sich nicht gut an. Ja, so fühlt sich ihr inneres, verlassenes Kind. Das ist kein moralischer Vorwurf, sondern einfach eine Feststellung.

Nun könnten Sie ja sagen: „Gut, jetzt weiß ich es, aber ich lebe doch ganz gut. Eigentlich geht es mir doch im Vergleich zu anderen Menschen sehr gut. Es gibt viel schlimmeres Leid auf der Erde. Meine kleinen Probleme behandele ich so wie bisher. Also lebe ich weiter wie bisher!“ – Da Sie aber diesen Text bis hierher gelesen haben, gibt es eine andere Seite in Ihnen. Und das ist gut so.

Man kann als Therapeut nur mit Menschen arbeiten, die zumindest den Wunsch haben, etwas verändern zu wollen. Meistens können sie es nicht allein. Sehr oft sind sie lange Zeit ambivalent. Sie wollen auf der einen Seite Veränderung und auf der anderen fürchten sie die Übernahme von Selbstverantwortung oder dafür etwas ihnen Wichtiges aufgeben zu müssen.

Das ist völlig in Ordnung. – Das ist Üben, Training! Und es geht hier in erster Linie um Lernen. Lernen in seiner wichtigsten und Gewinn bringensten Form.

Sie spüren den Druck des Unwohlseins, der wächst? Vielleicht „funktioniert“ es in der Beziehung nicht mehr so gut. Vielleicht klappt es auch mit den Kindern oder dem Beruf nicht richtig. Vieles ist irgendwie nicht befriedigend. Sie fühlen sich einsam, es gibt kaum mehr das Gefühl, das irgendein Mensch sie wirklich verstehen könnte. Die ursprüngliche Idee, jetzt viel zu tun und später dann das Leben genießen, greift auch nicht mehr. Denn jetzt ist ja schon „später“, aus der früheren Sicht betrachtet. Und das VIEL TUN bezog sich auch noch darauf, einen Kompensationssicherungsapparat zu bauen. Die Energie ging also dahin, den Zustand, der sowieso immer irgendwie unbefriedigend und wackelig war, bei dem das Wackeln sich aber sich aber zunächst noch in Grenzen hielt, mit (immer mehr) Anstrengung zu sichern.

Manche Menschen suchen sich immer wieder Therapeuten, bei denen sie innerlich von vorn herein wissen, „der kann mir nicht gefährlich werden; die oder den werde ich immer unter Kontrolle behalten können; die lasse ich gar nicht an mich heran.“ Oder sie beenden die Therapie, wenn die therapeutische Beziehung gerade anfängt, spannend zu werden.

Und ohne ein gewisses Vorschussvertrauen geht es auch nicht. Oft entsteht dieses nur durch einen größeren Leidensdruck. Dennoch, es gibt auf dem Lebensweg noch einiges an Lebendigkeit, an Liebe und Freude zu entdecken. Und genau diese kann man gewinnen, in der Arbeit mit dem inneren Kind. Sie gibt mehr Vertrauen in sich selbst und in die Welt.

Und vor allem gewinnt man wirkliche Freiheit. Eine Freiheit, in der man nicht herum geschoben wird, sondern selbst bestimmt. Der Preis dafür ist, dass wir von bestimmten, lieb gewonnenen Krücken loslassen müssen.

Zum Beispiel der Krücke, die darin besteht, dass ich so tue, als wäre ich nicht in der Lage, für mich selbst zu sorgen. Ich bin 30, 40, 50 Jahre alt und habe damit ja wohl bewiesen, dass ich leben kann. Vielleicht war mein Leben bisher nicht mit Glück beseelt, doch ich habe überlebt. Als Kind oft durch bestimmte kreative Schutzmuster.

Diese Kreativität ist immer noch da und oft ungenutzt. Sie ist die Kreativität des geliebten Kindes. Das heißt, wenn es gelingt, das innere Kind wieder lieb zu gewinnen, steht dem Glück nichts im Wege. Die Schutzmuster sind nur für uns als kleines Kind wichtig gewesen, dass wir einmal waren. Dennoch fällt es oft schwer, diese loszulassen. Und selbst dazu muss man sie zuerst einmal erkennen.

Dennoch ist auch dieser Weg nicht einfach. Es gibt Schmerz und Tränen, die nach außen wollen. Das innere ungeliebte Kind hat wahrscheinlich viel Trauer in sich, welche ausgedrückt werden will. Liebevolle und verständnisvolle Begleitung ist deshalb so notwendig (weil die Not gewendet werden will) und so schön. Man kann sich Trost und Zuversicht holen und die zum Wachstum herausfordernde Unterstützung.

Wie oben bereits erwähnt, braucht man für diese Aufgabe anfangs einen sicheren Raum und vertrauensvolle Begleiter.

Es geht darum, die verschiedenen Teile der eigenen Person leben zu lassen und zu würdigen.

Der schützende Anteil lebt in allerlei Verkleidungen. Es gilt sie zu erkennen und ihnen nicht mehr zu folgen. Daraus entwickelt sich Vertrauen in die Welt und das ist die Voraussetzung für Beziehungen in Liebe und Lebendigkeit.

Peter Hellwig

Hinweis auf einen Vortrag von Prof. Dr. Ruppert, der dieses Thema aus psychologischer Sicht betrachtet, wie ich finde, sehr gut und einleuchtend beschrieben. Link Vortrag Ruppert.

Link zum Thema Eifersucht!

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Kommentar

  1. Sebastian sagt:

    Sehr schön zusammengefasst. Ich bin noch auf dem Weg dorthin…